Rechtsausleger und Linksausleger: welche Auslage passt zu dir?
Ob dein rechter oder dein linker Fuß vorn steht, verändert fast alles: deine Winkel, deine besten Schläge und die Fehler, die dein Gegner ausnutzen kann.
Die Auslage beschreibt, welche Seite beim Boxen vorn ist. Ein Linksausleger steht in Linksauslage: linker Fuß und linke Hand vorn, die rechte Schlaghand hinten. Ein Rechtsausleger steht in Rechtsauslage: rechter Fuß und rechte Hand vorn, die linke Schlaghand hinten. Im Englischen heißt die Linksauslage „orthodox“, der Rechtsausleger „Southpaw“.
Weil die meisten Menschen Rechtshänder sind, trainieren die meisten Boxerinnen und Boxer in Linksauslage. Rechtsausleger sind seltener, und genau das macht sie für viele Gegner unangenehm. Wie die Grundstellung selbst aussieht, beschreibt die Seite zur Grundstellung im Boxen. Hier geht es um die Wahl der Seite und um das Boxen gegen die andere Auslage.
Linksauslage und Rechtsauslage im Vergleich
| Merkmal | Linksausleger (orthodox) | Rechtsausleger (Southpaw) |
|---|---|---|
| vorn | linker Fuß, linke Hand | rechter Fuß, rechte Hand |
| Jab mit | links | rechts |
| Schlaghand (Cross) | rechts | links |
| typisch für | die meisten Rechtshänder | viele Linkshänder, einige Rechtshänder |
| Gegner sehen diese Auslage | sehr oft | seltener |
Welche Auslage solltest du wählen?
Die übliche Regel lautet: Die stärkere Hand kommt nach hinten. Hinten hat sie mehr Weg und mehr Drehung und wird zum kräftigen Cross. Die schwächere Hand führt vorn den Jab. Für Rechtshänder heißt das Linksauslage, für Linkshänder Rechtsauslage.
Ganz so einfach ist es aber nicht. Manche Rechtshänder fühlen sich in Rechtsauslage wohler, oft weil ihr stärkeres Bein oder ihr Gleichgewicht das so vorgibt, etwa aus anderen Sportarten. Es gibt auch Trainer, die Linkshänder bewusst in Linksauslage stellen, damit die starke Hand vorn den Jab schlägt.
So findest du deine Auslage:
- Der Schubstest: Lass dich von hinten leicht anschubsen. Der Fuß, mit dem du dich abfängst, landet meist vorn. Das ist ein Hinweis, kein Beweis.
- Probe in beiden Stellungen: Schlage je eine Runde Schattenboxen in Links- und Rechtsauslage. In welcher bleibst du stabiler, und in welcher fühlt sich der Cross natürlicher an?
- Frag den Trainer: Wer dich bewegen sieht, erkennt oft schneller, welche Seite passt.
Entscheide dich am Anfang für eine Seite und bleib dabei. Ständiges Wechseln verhindert, dass sich die Grundtechnik festigt.
Boxen gegen einen Rechtsausleger
Treffen Linksausleger und Rechtsausleger aufeinander, stehen die vorderen Füße fast auf einer Linie und die Führhände kreuzen sich. World Boxing zählt in seinen Wettkampfregeln (in Kraft seit November 2024) das Neutralisieren eines gegnerischen Stils ausdrücklich zur technischen und taktischen Überlegenheit und nennt als Beispiel „southpaw vs orthodox“. Die Auslage ist also auch im Regelwerk ein taktisches Thema.
Bewährte Grundsätze aus dem Training, wenn du als Linksausleger gegen einen Rechtsausleger boxt:
- Der vordere Fuß außen: Wer seinen vorderen Fuß außerhalb des gegnerischen Fußes platziert, hat den besseren Winkel für die eigene Schlaghand.
- Die Schlaghand gerade: Dein rechter Cross hat eine direkte Linie zum Kinn des Rechtsauslegers, weil dessen Führhand auf derselben Seite steht.
- Vorsicht vor seiner linken Hand: Seine Schlaghand kommt von einer Seite, die du seltener siehst. Die rechte Hand bleibt deshalb fest an deiner Wange.
- Bewege dich nach links, weg von seiner Schlaghand.
Boxen gegen einen Linksausleger
Für Rechtsausleger gilt alles gespiegelt. Sie haben meist einen Vorteil an Erfahrung: Sie treffen ständig auf Linksausleger, umgekehrt ist das seltener.
- Den vorderen Fuß außerhalb seines vorderen Fußes setzen.
- Mit der linken Schlaghand gerade schlagen.
- Nach rechts bewegen, weg von seiner rechten Schlaghand.
- Die linke Hand an der Wange halten, wenn er seinen Cross schlägt.
Wenn beide dieselbe Auslage haben
Stehen zwei Linksausleger oder zwei Rechtsausleger gegeneinander, spricht man oft vom „geschlossenen“ Duell: Die Führhände stehen sich direkt gegenüber, der Jab ist das wichtigste Werkzeug, und wer ihn schneller und öfter schlägt, kontrolliert die Distanz. Gegen die andere Auslage dagegen wird der Kampf um die Position des vorderen Fußes entscheidend. Beides gehört zum Training, sobald du regelmäßig mit Partnern arbeitest.
Typische Fehler gegen die andere Auslage
- ⚠️ Einfach weiterboxen wie immer. Die gewohnten Winkel stimmen nicht mehr, der eigene Jab trifft häufig nur die gegnerische Führhand.
- ⚠️ Um die Fußposition streiten, ohne zu schlagen. Wer nur den Fuß außen sucht, vergisst die Schläge.
- ⚠️ Die hintere Hand sinkt. Gegen die andere Auslage kommt die Schlaghand des Gegners auf einer ungewohnten Linie. Die Deckung muss dort besonders sauber sein.
Wie du das Boxen gegen die andere Auslage übst
Im Sparring kommt das Thema von selbst, wenn dein Gym Rechtsausleger hat. Bitte deinen Trainer, gezielt Partner mit der anderen Auslage einzuteilen, mit niedriger Intensität und vollständiger Schutzausrüstung. Was dabei zu beachten ist, steht auf der Seite zum Sparring im Boxen.
Ohne Partner kannst du im Schattenboxen eine Rechtsausleger-Silhouette vorstellen: den vorderen Fuß bewusst außen platzieren, dann Jab und Cross. Die Grundlage dafür ist saubere Beinarbeit im Boxen und ein klares Gefühl für die Boxschläge. Weitere Technikseiten findest du im Bereich Boxen lernen und auf der Startseite.
Häufige Fragen
Was ist ein Rechtsausleger beim Boxen?
Ein Rechtsausleger steht mit dem rechten Fuß und der rechten Hand vorn. Die linke Hand ist hinten und schlägt den Cross. Im Englischen nennt man diese Auslage „Southpaw“. Viele Linkshänder boxen so, aber nicht alle.
Was ist der Unterschied zwischen Linksausleger und Rechtsausleger?
Es kommt darauf an, welche Seite vorn ist. Der Linksausleger hat links vorn und schlägt den Cross mit rechts, der Rechtsausleger hat rechts vorn und schlägt den Cross mit links. Die Technik ist gespiegelt, die Grundsätze sind dieselben.
Was bedeutet Southpaw?
Southpaw ist der englische Begriff für einen Rechtsausleger, also jemanden, der mit rechts vorn und der linken Schlaghand hinten boxt. Die linke Faust ist dabei die kräftige Hand.
Haben Rechtsausleger einen Vorteil?
Oft einen Vorteil an Gewohnheit. Weil die meisten Gegner in Linksauslage stehen, trainieren Rechtsausleger ständig gegen diese Auslage, während Linksausleger seltener auf Rechtsausleger treffen. Ein fester Vorteil, der in Zahlen belegt wäre, lässt sich daraus aber nicht ableiten.
Kann man die Auslage später noch wechseln?
Ja, aber es kostet Zeit, weil Beinarbeit, Deckung und Schläge neu gelernt werden müssen. Manche fortgeschrittene Boxer wechseln im Kampf bewusst die Auslage. Für Anfänger ist es sinnvoller, zuerst eine Seite gut zu beherrschen.