Sparring gegen einen schweren Gegner

Ich habe schon einige Male gegen einen schweren Gegner beim Sparring im Box Klub geboxt der größer und vor allem was das Gewicht angeht viel schwerer war als ich selber. Mein letzter Gegner hatte mit seinen 100kg, etwa 25kg mehr auf der Waage.

Er war zudem auch sehr beweglich und hat natürlich auch einen stärkeren Schlag als ich gehabt. Nach der ersten Runde habe ich bemerkt, dass ich bei ihm nicht so wie üblich weiter boxen kann und dass andere Methoden gegen einen größeren Boxer erforderlich sind.

Natürlich ist das etwas unfair und bei Wettkämpfen würde es zu so einer Begegnung nicht kommen, dennoch kriegt man in seinem Verein immer wieder verschiedene Gegner gegen die man auch boxen können sollte.

Ich habe mitbekommen, wie auch andere mit diesem Problem zu kämpfen haben und es darauf hinausschieben, dass sie viel kleiner und schwächer sind. Jedoch sind das alles nur Ausreden und dessen müssen wir uns bewusst sein.

Mit diesem Artikel starte ich nun eine Serie von weiteren Beiträgen, die sich ausschließlich mit der Strategie beim Boxen drehen. Ich hoffe so offene Fragen von Boxern beantworten zu können und Anregungen für das Sparring zu geben.

Diese Tipps helfen das eigene theoretische Boxwissen zu erweitern und  beim Sparring und auch bei Wettkämpfen anzuwenden.

Der Unterschied

Mit „stark“ meine ich hier nicht, dass unser Boxgegner technisch überlegener ist, oder eine größere Schnelligkeit besitzt. Ich rede hier bewusst von der Masse und Körpergröße.

Wenn es ein athletischer Amateurboxer ist, dann hat er idealerweise aufgrund seiner großen Körpergröße auch ein höheres Gewicht. Stellen wir uns dazu am besten einen Boxer im Mittelgewicht mit 75kg vor und einen Schwergewichtsboxer der bei 100kg liegt.

Auf den ersten Blick scheint dies ein richtig unfaires Boxmatch zu sein, jedoch haben beide ihre Vor- und Nachteile. Der Vorteil des Schwergewichtlers ist eine hohe Schlagkraft und seine Körpergröße mit der er gleichzeitig auch eine höhere Distanz erzielen kann.

Selbst durch eine gute Deckung würde man die Wucht der Schläge noch spüren und danach Kopfschmerzen bekommen.

Womit ein Schwergewichtsboxer jedoch zu kämpfen hat ist die eigene Geschwindigkeit. Der Boxer aus dem Mittelgewicht ist viel wendiger und meistens schneller unterwegs, was es schwer macht ihn einmal zu erwischen.

Wie geht man am besten vor?

Was man bei so einem Gegner auf keinen Fall machen darf ist, dass man versucht so wie er zu boxen. Man nimmt an, weil er ja so erfolgreich mit seinem Vorgehen (Distanz und viele Einzelschläge mit der linken Hand) erfolgreich ist, dass man es unbedingt nachmachen muss.

Dies ist ein grober Fehler und man wird sehr schnell feststellen, dass es irgendwie doch nicht so richtig klappt. In der ersten Runde sollte man versuchen mehr Distanz zu halten und ständig in Bewegung zu bleiben, damit man seinen Gegner Beobachten kann.

Das große Geheimnis ist, dass man auf die Möglichkeiten zurückgreift, die man zur Verfügung hat. Und was sind diese Möglichkeiten? Wie schon oben erwähnt, sind die Vorteile eines kleineren und leichteren Boxers seine Schnelligkeit und Wendigkeit.

Wenn man gezielt seine Schnelligkeit einsetzt, dann macht es nichts aus, dass unser Gegner viel größer ist und stärkere Schläge hat.

Auch die schnellen Schläge können sehr viel Energie erzeugen und gute Treffer erzielen. Schauen wir uns z.B. Manny Pacquiao an. Er hat eine sehr hohe Schnelligkeit und seine Schläge könnten mit Sicherheit auch einen Klitschko umhauen. Aber auch die Wendigkeit ist ein sehr großer Vorteil für den kleineren Boxer.

Wenn man seinen Gegner nicht treffen kann, dann bringt es auch nichts, wenn man viel größer als der andere ist. Ich würde nicht versuchen alle Schläge mit meiner Deckung zu blocken, da man auch hier durch die Wucht nach hinten gerissen werden kann.

Viel mehr macht es Sinn, wenn ihr den Schlägen ausweicht und anschließend kontert. Am besten gelingt euch der Konter mit seinem Sidestep, wenn euer Gegner z.B. mit der linken Führhand versucht einen Jab zu schlagen.

Was wir bei einem Boxkampf oft vergessen, ist, dass man auch mit Körpertreffern eine Wirkung erzielen kann. Ein guter Schlag zum Solarplexus oder an die Leber kann auch einen großen Boxer zu Fall bringen. Man muss nicht unbedingt den Kopf treffen.

Wenn sich die Gelegenheit hier bietet, und das passiert sehr oft ohne das wir es mitbekommen, dann sollte man diese Chance nutzen und zum Körper gehen.

Technik gegen einen schweren Boxer

Es macht viel mehr Sinn technisch gegen einen größeren Boxer zu boxen, als auf pure Kraft und Ausdauer zu setzen. Vor allem sind die Sidesteps und Crosshaken sehr effektiv einsetzbar

Angenommen er schlägt eine lange rechte, dann weicht ihr zur Seite aus, schlagt einen Uppercut mit der linken und kommt gleich auch mit einem Crosshaken. Die Crosshaken sind selbst für einen erfahrenen Boxer sehr schwer vorauszusehen und zu blocken.

Natürlich könnt ihr auch einzelne Crosshaken schlagen und versuchen euren Gegner so zu treffen. Ich habe bei den Amateurboxern einen guten Kämpfer beobachten könnten, der zu etwa 80% nur Crosshaken geschlagen hat.

Diese Technik erfordert aber, dass man ein sehr gutes Gefühl für seine eigene Kampfdistanz entwickelt. Ein Training vor einem Spiegel mit den Hanteln kann euch dabei helfen bessere Crosshaken zu schlagen, natürlich ist auch ein Sparring sehr hilfreich dabei.

Sidesteps sind ebenso sehr hilfreich, wenn es darum geht den Schlägen auszuweichen und einen direkten Konter zu schlagen. Diese erfordern eine sehr gute Fußtechnik und ein scharfes Auge, um die Schläge vom Gegner rechtzeitig wahrzunehmen.

Wenn euer Gegner versucht nun einen Jab zu landen, dann macht ihr nach rechts einen langen Schritt und blockt gleichzeitig den Schlag mit eurer linken Hand. So stellt ihr sicher, dass ihr nicht direkt getroffen werdet und einen Haken mit der rechten Hand schlagen könnt.

Sidesteps übt ihr am besten mit einem Boxpartner der auf euch zu rennt und ihr ausweichen müsst. Richtig wird die Übung ausgeführt, wenn euer Partner direkt auf euch zu rennt, als ob er durch euch durchlaufen möchte.

Ihr müsst euren Trainingspartner hierzu nicht in das Gesicht schlagen. Es reicht, wenn ihr mit der offenen Handfläche die Schulter berührt.

Was sich ebenso als sehr effektiv erwiesen hat ist die Schnelligkeit. Wenn ihr eure Schläge schnell schlägt und dabei immer wieder Kombinationen macht, dass sich der Gegner nicht auf euch einstellen kann.

Ihr tastet euch vorsichtig an den Gegner, kommt mit einer schnellen Kombi und seid genauso wieder schnell weg. Diese Strategie erfordert aber eine gute Kondition, da ihr ständig in Bewegung bleiben müsst.

Wenn ihr merkt, dass euer Gegner weniger Luft in der Lunge hat, dann könnt ihr auch versuchen ihn die ersten Runden durch den Ring zu jagen und ihm so die Puste zu nehmen. Anschließend ist es viel einfacher und leichter selbst gegen einen größeren Boxer zu boxen.

Wenn du mich jetzt fragst, ob du mit diesen einfachen Tipps nun sicher gegen einen Boxer kämpfen kannst, der größer und schwerer ist als du, dann sage ich ein klares NEIN!

Es erfordert Training und Übung, damit ihr dieses theoretische Wissen in die Praxis umsetzen könnt. Trainiert einfach weiter und sagt zu keinem Sparringspartner nein, nur weil er größer oder vielleicht kleiner ist.

Nutzt jede Gelegenheit, um für einen Wettkampf für alles Vorbereitet zu sein. Ihr solltet aber unbedingt einen guten Kopfschutz tragen, wenn ihr gegen einen stärkeren Boxer antretet.

Solltet ihr weiterhin Fragen oder Anregungen zu diesem Thema haben, dann schreibt uns einfach unten in den Kommentaren.

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Hi. ICH BIN ADNAN

Ich boxe schon seit vielen Jahren als Amateur Boxer und bin der Autor dieser Boxseite. Eine Seite, die dazu da ist dir zu helfen besser boxen zu lernen.