Schlagen und Treffen – Kraft und Abhärtung beim Boxen

boxtraining abhärtung und kraftNeulinge im Boxen berichten nicht selten darüber, dass sie noch niemals einen Faustschlag abbekommen hätten. Umso erstaunter sind sie, wenn sie buchstäblich der Schlag trifft – und das zum ersten Mal. Ob Überraschung oder echte Schmerzen – der Schock sitzt zumeist tief.

Nicht minder selten hört man ihre Verwunderung darüber wie Amateur-Boxer und auch echte Profis die deutlich härteren Faustschläge wegstecken, wenn es sich um einen wirklichen sportlichen Wettkampf handelt. „Die können einfach mehr ab“, heißt es oftmals.

Oder Kampfsportler seien es ganz einfach gewöhnt, Schmerz anders wahrzunehmen. Aber ist dieses Phänomen wirklich so simpel? Oder lässt sich Schmerzimmunität noch anders erklären?

In diesem Zusammenhang dürfte auch die Frage interessant sein, welche Kräfte beim Faustschlag eigentlich wirken. Ein etwas anderer Blick auf den Kampfsport Boxen und seine Wirkung.

Aus der Physik in den Sport

Wenn Box-Sportler ihre Schlagkraft trainieren möchten, sieht man gerade bei Anfängern den Fehler, dass sie allzu häufig in das Fitnessstudio rennen, stundenlang Gewichte stemmen, um an ihrer Kraft zu arbeiten.

Dicke Arme, ein voluminöser Brustumfang und wohl-proportionierte Schultern sind allerdings nicht gleichbedeutend mit einer durchdringenden Schlagkraft. Der Teufel steckt im Detail.

Bei der Schlagkraft handelt es sich eigentlich um Schlagenergie und um präzise zu sein um kinetische Energie, die beim Auftreffen auf einen Körper, einen Widerstand, freigesetzt wird. Interessant ist hierbei das Zustandekommen der kinetischen Energie: Kinetische Energie = Masse x Geschwindigkeit hoch 2 / 2

Damit der Schlag möglichst hart ausfällt, sind also zwei Dinge entscheidend: die Masse des beschleunigten Körpers sowie vor allem die Geschwindigkeit. Lässt sich ersteres sicherlich durch Masseaufbau im Fitnessstudio vergrößern, ist zu viel Körper- und Muskelmasse gerade für die Beschleunigung nicht förderlich – ganz im Gegenteil.

Für Boxer steht an erster Stelle also ein funktionelles Training mit Fokus auf Optimierung der Technik. Denn an der Beschleunigung der Faust sind nicht nur Arm- und Schultermuskeln beteiligt, denn viel mehr gesamte Muskelkomplexe. Eine Verbesserung des Zusammenspiels der Muskelketten ist laut Peak für eine optimale Schlagkraft also unabdingbar.

Die intermuskuläre Koordination

Maximalkraft, Kraftausdauer und Schnellkraft. Es gibt viele Möglichkeiten, seinen Körper zu trainieren. Speziell im Boxsport spielt die Schnellkraft eine übergeordnete Rolle, da sie hauptsächlich – wenn auch nicht allein – bestimmt, wie schnell wir einen Schlag ausführen können.

Ohne Frage sind es professionelle Bodybuilder, welche die dicksten Oberarme vorweisen können. Zu behaupten, dass ein Profi-Bodybuilder allerdings mehr Schlagkraft aufbringen kann als ein Profi-Boxer, wäre vermessen.

Bodybuilder sind primär an einer Vergrößerung ihres Muskelvolumens interessiert, was nichts anderes bedeutet, als dass sie ihren Muskelquerschnitt vergrößern möchten.

Das Training im Fitnessstudio ist hierfür bestens geeignet. Denn dieses Ziel erreichen sie, indem sie Kraft gegen einen Widerstand aufbringen. Dies führt zur Muskelkontraktion.

Gesprochen wird in diesem Fall von der intramuskulären Koordination. Macht man dies in regelmäßigen Abständen, reagiert der Muskel unter der Voraussetzung von Erholung und der Zufuhr von ausreichend Nährstoffen mit Muskelwachstum.

An der Beschleunigungsfähigkeit eines Körperteils ändert dies aber kaum etwas. Denn mehr Muskelmasse führt unweigerlich zur Trägheit, die wiederum die Beschleunigungsfähigkeit hemmt.

Für diese ist insbesondere die intermuskuläre Koordination wichtig. Sie beschreibt das Zusammenspiel unterschiedlicher Muskelgruppen bei speziellen Bewegungsabläufen.

Im Falle eines Faustschlags würde dies bedeuten, dass Bein- und Rumpfmuskulatur, Brustmuskeln, Schulter- und Armmuskeln zusammenarbeiten müssen, um den perfekten, kräftigen Schlag auszuführen.

Allerdings gilt laut, dass sich die Schnellkraft besser trainieren lässt, sofern ein gewisser Grad an Maximalkraft vorhanden ist. Die zwei wesentlichen Faktoren zur Optimierung der Schlagkraft sind Maximalkraft, Schnellkraft und Koordination.

Das Kinn als KO-Punkt im Boxen

700 Kilogramm Schlagkraft kann Vladimir Klitschko angeblich aufbringen. Physikalisch zwar nicht ganz korrekt, soll dies bedeuten, dass ein Faustschlag des Boxweltmeisters im Schwergewicht gleichbedeutend ist mit einem Gewicht von 700 Kilogramm, das kurzfristig auf einem Körperpunkt aufliegt.

Erfahrene Boxer wissen allerdings, dass es nicht nur auf die Schlagkraft ankommt, sondern es auch wichtig ist, wo der Schlag trifft. KO-Punkte gibt es mehrere, speziell beim Boxen hat sich das Kinn aber als besonders effizient herausgestellt, natürlich nicht ohne nachweisbaren Grund.

Wie viel kinetische Energie vom bewegten Körperteil auf einen getroffenen Körperabschnitt übertragen wird, das bestimmen unter anderem die Härtegrade der beiden Körper.

Je härter der beschleunigte Körper und je weicher die impulsempfangende Körperregion, desto intensiver der Schlag. Aus diesem Grunde sind auch Boxhandschuhe unerlässlich.

Sie absorbieren einen Teil der kinetischen Energie und tragen somit dazu bei, dass Boxen – zumindest im Regelfall – keine nachhaltigen Verletzungen verursacht.Das Kinn ist der beweglichste Teil im Gesicht. Empfängt diese Körperregion einen Impuls, überträgt sich dieser auf den gesamten Kopf.

Durch die ruckartige Bewegung wird der Kopf in Bewegung gesetzt. Das in Wasser liegende Gehirn reagiert träge und prallt gegen die Schädeldecke. Resultat hiervon: Der unmittelbare Knockout.

Ist Abhärtung wirklich möglich?

Biomechanik und Physik sprechen eine eindeutige Sprache. Wie ist es also möglich, dass manche Schläge besser wegstecken können als andere? Die Gründe finden sich insbesondere in der menschlichen Psyche.

Schmerz entsteht ausschließlich im Gehirn und basiert auf einer Reizung von Schmerzsensoren von wo aus Schmerzimpulse über das Zentrale Nervensystem in das Gehirn geleitet werden.

Da dieser physiologische Prozess bei jedem Menschen gleich abläuft, erscheint Schmerzkonditionierung kaum möglich. Erfahrungswerte zeigen aber ein anderes Bild.

Auch wenn die Wissenschaft bis dato noch keine konkreten Antworten liefern kann, ist davon auszugehen, dass die Psyche hierbei eine gewichtige Rolle spielt.

Kampfsportler assoziieren mit Schmerz nicht zwangsläufig etwas Negatives. Schmerzen im Training, die sich permanent wiederholen, führen auf Dauer zu einer psychischen Akzeptanz, einer Notwendigkeit für Erfolg, die letztendlich gegen starkes Schmerzempfinden immunisiert.

artes Training verhindert zwar nicht, dass der Körper besser auf Kraftimpulse reagiert, hilft aber bei der Schmerzkonditionierung. Abhärtung ist also wirklich möglich.

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Hallo,
    Netter und guter Artikel. Meiner Erfahrung nach spielt noch ein anderer Faktor eine extrem wesentliche Rolle.
    Härtet man sich bewusst ab kondotioniert man sich so, dass man auch im Kampf schläge bewusster einstecken kann die Augen bleiben offen maid Bewegungen werden minimal noch angegangen Muskeln am Hals oder Rumpf werden passen angespannt. Schläge die man kommen sieht sind immer angenehm. Die die man nicht kommen sieht sind die schmerzhaften
    Lg

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